Saint-Philippe auf La Réunion: Lava, Regenwald und Küste
25. Oktober 2026
In Saint-Philippe treffen drei Landschaften beinahe ohne Übergang aufeinander: der feuchte Tropenwald von Mare Longue, junge Lavaströme des Piton de la Fournaise und eine von schwerer Brandung geformte Basaltküste. Am Cap Méchant brechen Wellen unter schwarzen Klippen, während die Route des Laves durch erstarrte Eruptionsflächen bis in die Nachbargemeinde Sainte-Rose führt.
Die Gemeinde im äußersten Südosten La Réunions ist kein klassischer Badeort, sondern ein Ziel für Roadtrips, kurze Küstenwanderungen, Botanik und kreolische Agrarkultur. Besonders eindrucksvoll sind die Pointe de la Table, der Tieflandregenwald von Mare Longue, die Plage du Tremblet und Gärten, in denen Vanille, Gewürze und tropische Nutzpflanzen wachsen.
Saint-Philippe auf einen Blick
Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Saint-Philippe

Cap Méchant: Basaltklippen über dem Indischen Ozean
Das Cap Méchant gehört zu den markantesten Küstenorten im Süden La Réunions. Dunkle Klippen aus erstarrter Lava fallen zum Meer ab, in natürlichen Felsspalten schießt die Gischt nach oben. Über dem Basalt breiten sich Grasflächen und Vacoa aus, eine für das Landschaftsbild der Insel typische Pandanus-Art. Der Kontrast aus schwarzem Gestein, weißer Brandung und grüner Vegetation macht das Kap zu einem der stärksten Fotomotive Saint-Philippes.
Besucher bewegen sich am sichersten auf den ausgewiesenen Flächen und Wegen. Die Brandung der Südostküste kann selbst bei sonnigem Wetter kräftig sein; nasser Basalt ist ausgesprochen glatt, und Klippenkanten können unterspült sein. Cap Méchant ist ein Aussichtspunkt, kein Badeplatz. Für einen entspannten Aufenthalt eignen sich die zurückgesetzten Grün- und Picknickbereiche besser als die unmittelbar dem Meer ausgesetzten Felsflächen.
Der Name wird häufig mit dem Eindruck einer „bösen“ oder gefährlichen Küste verbunden. Tatsächlich ist weniger eine einzelne Sehenswürdigkeit als das gesamte Küstenbild das Erlebnis: Wind, Salzluft, tosende Wellen und die sichtbare vulkanische Entstehung der Insel. Bei hohem Wellengang oder nach tropischen Unwettern können einzelne Bereiche abgesperrt sein. Solche Sperren sollten unbedingt respektiert werden.
Route des Laves: Roadtrip über erkaltete Eruptionen
Die Route des Laves ist der spektakulärste Straßenabschnitt im Südosten La Réunions. Sie folgt der RN2 durch den Küstenraum unterhalb des Piton de la Fournaise und überquert mehrere historische Lavaströme. Manche Flächen erscheinen noch dunkel und beinahe kahl, während ältere Ströme bereits von Farnen, Sträuchern und jungen Bäumen zurückerobert werden. Dadurch lässt sich auf engem Raum beobachten, wie sich Vegetation auf vulkanischem Untergrund entwickelt.
Geografisch ist eine saubere Einordnung wichtig: Die Route verläuft nicht ausschließlich in Saint-Philippe. Der als Grand Brûlé bekannte Eruptionskorridor reicht weiter nach Nordosten in die Gemeinde Sainte-Rose. Wer an beschilderten Lavafeldern anhält, befindet sich deshalb je nach Position bereits außerhalb Saint-Philippes. Die Straße selbst ist eine wichtige Verbindung zwischen beiden Gemeinden und zugleich eine der eindrucksvollsten Roadtrip-Strecken der Insel.
Gehalten werden sollte nur an eindeutig nutzbaren Flächen. Schmale Straßenränder, unübersichtliche Kurven und frische Lavaböden sind keine geeigneten Parkplätze. Auch scheinbar stabile Oberflächen können scharfkantig, porös oder von Hohlräumen unterzogen sein. Eigenmächtige Touren in Lavatunnel sind nicht ratsam; solche Höhlen werden nur im Rahmen fachkundig geführter Exkursionen sicher erschlossen.
Pointe de la Table: Küstenwanderung durch junge Lava
Die Pointe de la Table zeigt besonders anschaulich, wie Vulkanausbrüche die Küstenlinie La Réunions verändern. Lavaströme haben hier neues Land geschaffen, das später durch Wellen, Salz und tropisches Klima weiter modelliert wurde. Auf dem Küstenweg wechseln raue Lavafelder, niedrige Vegetation und freie Blicke über den Indischen Ozean. Das Gelände wirkt offener und karger als der nahe Regenwald von Mare Longue.
Ein üblicher Zugang liegt im Umfeld von Puits Arabe. Der genaue Wegverlauf kann sich durch Erosion, Unwetter und Arbeiten an der Küste verändern, weshalb die örtliche Beschilderung entscheidend ist. Festes Schuhwerk ist sinnvoll: Das Lavagestein ist uneben und scharf, Schatten ist auf längeren Abschnitten kaum vorhanden. Bei Regen werden einzelne Passagen rutschig, bei starker Brandung sollte ausreichend Abstand zur Wasserkante gehalten werden.
Fotografisch lohnt sich die Wanderung vor allem wegen der klar sichtbaren Übergänge zwischen Lava, Pionierpflanzen und Meer. Die Pointe de la Table ist jedoch kein dekorativer Aussichtsbalkon mit durchgehend befestigtem Weg, sondern eine dynamische Vulkanlandschaft. Früher Vormittag oder später Nachmittag bringen meist angenehmeres Licht und weniger Hitze auf den offenen Lavaflächen.
Réserve naturelle nationale de Mare Longue
Die Réserve naturelle nationale de Mare Longue schützt einen selten gewordenen Rest des feuchten tropischen Tieflandwaldes von La Réunion. Solche Wälder bedeckten einst größere Bereiche der niederen Inselhänge, wurden aber durch Landwirtschaft, Besiedlung und eingeführte Pflanzen stark zurückgedrängt. In Mare Longue blieb ein außergewöhnlich artenreicher Wald mit verschachtelten Vegetationsschichten, Farnen, Palmen, Lianen und zahlreichen epiphytischen Pflanzen erhalten.
Der Wald ist nicht mit einer gepflegten Parkanlage zu verwechseln. Hohe Luftfeuchtigkeit, schlammiger Boden, Wurzeln und rasch wechselndes Licht prägen den Besuch. Gerade diese Dichte macht den Reiz des Schutzgebiets aus. Besucher sollten auf den vorgesehenen Wegen bleiben, keine Pflanzen sammeln und Schuhe sowie Ausrüstung sauber halten, damit Samen invasiver Arten nicht weiterverbreitet werden.
Mare Longue ist außerdem ein guter Ort, um die ökologische Eigenständigkeit La Réunions zu verstehen. Heimische und endemische Pflanzen stehen unter erheblichem Druck durch eingeschleppte Arten. Ohne botanische Vorkenntnisse sind diese Unterschiede allerdings schwer zu erkennen. Eine naturkundliche Führung kann deshalb wesentlich mehr vermitteln als ein schneller Spaziergang durch den Wald.
Sentier botanique de Mare Longue
Der Sentier botanique de Mare Longue ermöglicht einen vergleichsweise kompakten Einblick in den Tieflandregenwald. Der Weg führt durch dichte Vegetation und macht die unterschiedlichen Ebenen des Waldes sichtbar: vom feuchten Boden über Baumfarne und junge Palmen bis zu den Kronen größerer Bäume. Informationstafeln helfen dabei, einige charakteristische Pflanzen und ökologische Zusammenhänge einzuordnen.
Trotz seiner überschaubaren Dimension ist der botanische Weg kein vollständig barrierefreier Spazierpfad. Nach Regen können Schlamm, freiliegende Wurzeln und rutschige Stellen auftreten. Leichte Wanderschuhe sind daher besser geeignet als Sandalen. Für Familien ist der Weg besonders interessant, wenn Kinder Freude an Pflanzen, Insekten und Naturbeobachtung haben; ein geländegängiger Kinderwagen ist jedoch nicht automatisch für alle Abschnitte geeignet.
Jardin des Parfums et des Épices
Der in Mare Longue gelegene Jardin des Parfums et des Épices ergänzt den ursprünglichen Wald um die Welt tropischer Kultur- und Nutzpflanzen. In dem privaten Garten wachsen Gewürze, Duftgewächse, Obstbäume und Zierpflanzen. Vanille, Gewürznelken, Zimt, Muskat, Pfeffer und zahlreiche Früchte lassen sich hier nicht nur als fertige Produkte, sondern als lebende Pflanzen kennenlernen.
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich mit dem Naturreservat: Im Schutzwald geht es um ursprüngliche Ökosysteme, im Garten dagegen um Pflanzen, die Menschen auf La Réunion anbauen, nutzen oder aus anderen Tropenregionen eingeführt haben. Geführte Besichtigungen helfen, Blätter, Rinde, Blüten und Früchte richtig zuzuordnen. Für Familien und botanisch Interessierte gehört der Garten zu den zugänglichsten Erlebnissen der Gemeinde.
Plage du Tremblet: schwarzer Sand aus der Eruption von 2007
Die Plage du Tremblet entstand infolge der großen Eruption des Piton de la Fournaise im Jahr 2007. Lava erreichte damals den Ozean, veränderte die Küste und lieferte das vulkanische Material, aus dem Wellen einen dunklen Strand formten. Damit ist die Plage du Tremblet geologisch außergewöhnlich jung und ein anschauliches Beispiel dafür, dass La Réunion bis heute weitergebaut wird.
Der Strand verändert sich durch Strömung, Brandung und Erosion fortlaufend. Seine Breite und Zugänglichkeit können daher schwanken. Er ist vor allem ein geologisches Küstenziel, kein verlässlich ruhiger Familienbadestrand. Starke Wellen, Strömungen, angeschwemmtes Material und instabile Küstenabschnitte verlangen Zurückhaltung. Ein Spaziergang mit sicherem Abstand zum Wasser ist meist sinnvoller als der Versuch zu baden.
Puits des Anglais und Puits Arabe
Der Puits des Anglais im Bereich Le Baril verbindet Küstenlandschaft mit Ortsgeschichte. Der historische Brunnen erinnert an eine Zeit, in der die Wasserversorgung an der abgelegenen Küste eine zentrale Herausforderung war. Heute ist das Umfeld vor allem als Rast- und Picknickplatz interessant. Das dort angelegte Meerwasserbecken war wiederholt von Schäden und wechselnden Nutzungsbedingungen betroffen und sollte nicht als dauerhaft verfügbare Bademöglichkeit eingeplant werden.
Puits Arabe liegt weiter östlich im Umfeld der Pointe de la Table. Der Ort dient vor allem als Orientierungspunkt für Küstenerkundungen und den Zugang zur jungen Lavalandschaft. Beide Plätze werden gelegentlich verwechselt, liegen jedoch in unterschiedlichen Küstenabschnitten. Wer zur Pointe de la Table wandern möchte, sollte gezielt der örtlichen Beschilderung zum Puits Arabe folgen.
Wandern und Naturerlebnisse

Welche Wanderung passt zu wem?
Saint-Philippe bietet keine große Zahl klassischer Gipfelwege, dafür ungewöhnlich kontrastreiche Touren. Der botanische Weg von Mare Longue eignet sich für einen kürzeren Naturbesuch, während die Pointe de la Table offene Lavaflächen und Küstenblicke verbindet. Der Sentier de Basse Vallée richtet sich an ausdauernde Wanderer, die aus der feuchten Küstenzone in höher gelegene Wald- und Bergbereiche aufsteigen möchten.
- Kurz und botanisch: Sentier botanique de Mare Longue, besonders interessant für Pflanzenfreunde und Familien mit wandernden Kindern.
- Offen und vulkanisch: Küstenweg im Bereich Puits Arabe und Pointe de la Table, mit wenig Schatten und rauem Lavaboden.
- Anspruchsvoll: Sentier de Basse Vallée, mit deutlichem Höhengewinn, feuchten Waldpassagen und längerer Gehzeit.
Sentier de Basse Vallée
Der Sentier de Basse Vallée führt von den tieferen, sehr feuchten Lagen in die Bergwälder an der Südostflanke des Vulkanmassivs. Anders als die kurzen Küstenwege ist er als längere, konditionell anspruchsvolle Tour zu verstehen. Steile Abschnitte, Wurzeln, Schlamm und rasche Wetterwechsel können das Vorankommen erschweren. Nach Starkregen oder Zyklonen sind Behinderungen durch umgestürzte Bäume und beschädigte Wege möglich.
Für die Planung sind ein früher Start, ausreichend Trinkwasser, Regenschutz und eine realistische Einschätzung der eigenen Kondition wichtig. In höheren Lagen kann es deutlich kühler und nebliger sein als an der Küste. Wer keine Erfahrung mit feuchten Tropenwegen hat, profitiert von lokaler Wegkenntnis. Eine Vulkanbesteigung über den üblichen Besucherzugang ist diese Tour nicht.
Der Piton de la Fournaise liegt nah, der Hauptzugang aber anderswo
Der aktive Piton de la Fournaise prägt Saint-Philippe geologisch, doch die bekannte Standardroute zum Kraterrand beginnt nicht im Gemeindezentrum. Der übliche touristische Zugang führt über die Route du Volcan und den Pas de Bellecombe-Jacob auf der Hochfläche. Er wird über das Inselinnere erreicht und ist daher als separater Tagesausflug zu planen, nicht als Wanderung direkt ab Saint-Philippe.
Bei vulkanischer Aktivität können Zugänge kurzfristig gesperrt oder Sicherheitszonen verändert werden. Das gilt auch dann, wenn an der Küste selbst nichts von einer Eruption zu sehen ist. Maßgeblich sind die behördlichen Vorgaben und der aktuelle Vulkanstatus. Lavafelder außerhalb freigegebener Bereiche sollten nicht betreten werden.
Besondere Erlebnisse und lokale Produkte

Vanille und die Spezialität von Escale Bleue
Das feuchtwarme Klima im Südosten La Réunions bietet gute Bedingungen für den Vanilleanbau. Bei Escale Bleue steht neben der Verarbeitung klassischer Vanille eine unter dem Namen „Vanille Bleue“ vermarktete Spezialität im Mittelpunkt. Dabei handelt es sich nicht um eine eigene botanische Vanilleart, sondern um eine besondere Verarbeitung und Reifung, bei der die Schote als Ganzes verwendet werden kann.
Ein Besuch vermittelt, wie arbeitsintensiv Vanille ist: Die Blüten werden von Hand bestäubt, die Schoten sorgfältig geerntet und anschließend über längere Zeit bearbeitet. Vanille aus La Réunion ist deshalb weit mehr als ein aromatisches Souvenir. Sie steht für handwerkliches Wissen, Geduld und eine Kulturpflanze, deren Geschichte eng mit der Insel verbunden ist.
Lavatunnel nur mit fachkundiger Führung
Unter einigen Lavaströmen der Region haben sich natürliche Röhren und Höhlensysteme gebildet. Geführte Lavatunnel-Touren können einen eindrucksvollen Blick in das Innere eines erstarrten Stroms ermöglichen. Treffpunkte liegen allerdings nicht immer in Saint-Philippe; manche befinden sich weiter entlang der Route des Laves in Sainte-Rose. Bei der Buchung sollte deshalb auf den exakten Treffpunkt und die betreffende Gemeinde geachtet werden.
Helm, Beleuchtung und geeignete Schutzkleidung gehören zu seriös organisierten Touren. Je nach Route müssen Teilnehmer gebückt gehen oder kurze Engstellen bewältigen. Für Menschen mit Platzangst, eingeschränkter Beweglichkeit oder sehr kleine Kinder sind nicht alle Angebote geeignet. Nicht freigegebene Höhlen auf eigene Faust zu betreten, ist wegen Orientierung, Einsturzstellen und scharfem Gestein riskant.
Saint-Philippe mit Kindern

Für Familien eignet sich Saint-Philippe vor allem dann, wenn Naturbeobachtung und kurze Entdeckungstouren im Mittelpunkt stehen. Der Jardin des Parfums et des Épices spricht mehrere Sinne an, während der botanische Weg von Mare Longue einen unmittelbaren Eindruck des Regenwaldes vermittelt. An der Küste bieten sich kurze Stopps an sicheren Aussichtspunkten und Picknickflächen an, nicht aber unbeaufsichtigtes Spielen am Wasser.
- Für jüngere Kinder: tropische Pflanzen und Gewürze im Jardin des Parfums et des Épices entdecken.
- Für Schulkinder: auf der Route des Laves unterschiedliche alte und junge Lavaflächen vergleichen.
- Für aktive Familien: einen Teil des Weges zur Pointe de la Table bei trockenem Wetter erwandern.
- Für eine kurze Pause: zurückgesetzte Picknickbereiche am Cap Méchant oder bei Puits des Anglais nutzen.
Die Plage du Tremblet und die Felsküste sind keine gewöhnlichen Bade- oder Spielplätze. Auch auf trockenen Lavaflächen benötigen Kinder feste Schuhe, Sonnenschutz und enge Begleitung. Bei starkem Regen ist ein Gartenbesuch ebenfalls nicht automatisch ideal; tropische Schauer können Wege innerhalb kurzer Zeit rutschig machen.
Kreolische Küche, Vacoa und Palmiste

Was in Saint-Philippe auf den Teller kommt
Die Küche der Gemeinde gehört zur kreolischen Esskultur La Réunions. Typisch sind cari, Reis, Hülsenfrüchte und scharf oder würzig abgeschmeckter Rougail. Die Bezeichnung Cari umfasst verschiedene Gerichte mit Fleisch, Fisch oder Gemüse; Rougail kann je nach Zusammenhang eine frische, scharfe Beilage oder ein eigenständiges Gericht bezeichnen. Vanille, Kurkuma, Ingwer und andere Gewürze spiegeln die vielfältigen kulturellen Einflüsse der Insel.
Für Saint-Philippe besonders wichtig sind Vacoa und Palmiste. Der Vacoa liefert Blätter für Flechtarbeiten; Teile der Pflanze werden außerdem kulinarisch verwendet. Palmiste bezeichnet das zarte Herz bestimmter Palmen und gilt als geschätzte Zutat. Da die Gewinnung der Palmherzen die jeweilige Palme betrifft, spielen kultivierter Anbau und eine nachvollziehbare Herkunft eine wesentliche Rolle.
Fête du Vacoa et du Palmiste
Die Fête du Vacoa et du Palmiste verbindet Landwirtschaft, Handwerk und kreolische Küche. Rund um die Veranstaltung werden Flechtarbeiten, lokale Erzeugnisse und Zubereitungen mit Palmiste oder Vacoa präsentiert. Das Fest ist eine gute Gelegenheit, Saint-Philippe nicht nur als Vulkanlandschaft, sondern als ländlich geprägte Gemeinde mit eigenen handwerklichen Traditionen kennenzulernen.
Der Termin und das genaue Programm wechseln von Jahr zu Jahr. Wer gezielt wegen des Festes anreist, sollte sich an den Bekanntmachungen der Gemeinde orientieren. Außerhalb der Veranstaltung sind lokale Produkte eher bei Erzeugern und spezialisierten Betrieben zu finden als in einem zusammenhängenden Einkaufsviertel. Saint-Philippe ist kein Shoppingziel, sondern ein Ort für regionale Lebensmittel und kleinmaßstäbliches Kunsthandwerk.
Ausflüge in die Umgebung

Sainte-Rose und der östliche Teil der Route des Laves
Nordöstlich von Saint-Philippe setzt sich die RN2 durch den Grand-Brûlé-Korridor nach Sainte-Rose fort. Dieser Abschnitt ergänzt den Roadtrip um weitere Lavafelder und Küstenblicke. Attraktionen dort gehören verwaltungsmäßig nicht mehr zu Saint-Philippe. Gerade bei Lavatunneln, Wanderzugängen und einzelnen Aussichtspunkten lohnt es sich, die Gemeindegrenze bei der Planung zu beachten.
Saint-Joseph und die Rivière Langevin
Westlich liegt Saint-Joseph mit einer größeren Auswahl an Alltagsinfrastruktur und weiteren Naturzielen. Die Wasserfälle und Flusslandschaften der Rivière Langevin, darunter das häufig fotografierte Umfeld von Grand Galet, befinden sich in Saint-Joseph und eignen sich als eigener Ausflug. Sie sollten nicht mit den Attraktionen Saint-Philippes vermischt werden, ergänzen dessen Lava- und Regenwaldlandschaften aber gut.
Piton de la Fournaise als Tagesausflug
Ein Besuch am Aussichtspunkt Pas de Bellecombe-Jacob oder eine freigegebene Wanderung in der Vulkanumgebung erfordert eine gesonderte Anfahrt über das Hochland. Obwohl Luftlinie nur wenige Kilometer zwischen Saint-Philippe und dem Vulkan liegen, gibt es keine direkte touristische Zufahrtsstraße von der Küste zum üblichen Startpunkt. Für diesen Ausflug sollte ein ganzer Tag vorgesehen werden.
Übernachten in Saint-Philippe
Das Unterkunftsangebot besteht vor allem aus kleineren Ferienwohnungen, Gîtes und Gästezimmern. Große Ferienanlagen prägen die Gemeinde nicht. Wer möglichst nah am Regenwald und an botanischen Zielen wohnen möchte, kann sich im Raum Mare Longue orientieren. Le Baril liegt günstig für Cap Méchant und Puits des Anglais, während Le Tremblet einen guten Ausgangspunkt für die östliche Lavaküste bildet.
Eine Unterkunft direkt an der RN2 erleichtert Roadtrips, kann aber weniger abgeschieden sein als ein Quartier an den bewaldeten Hängen. Wegen der verstreuten Sehenswürdigkeiten ist ein eigener Wagen besonders praktisch. Wer ohne Auto reist, sollte vor der Buchung prüfen, wie weit Unterkunft, Bushaltestelle, Lebensmittelgeschäft und gewünschte Ausflugsziele tatsächlich voneinander entfernt liegen.
Anreise und Mobilität
Mit dem Auto über die RN2
Saint-Philippe liegt an der RN2, der Küstenstraße zwischen Saint-Joseph und Sainte-Rose. Von Westen führt die Strecke über den Süden der Insel, von Osten über die Route des Laves. Für Besucher ist ein Mietwagen die flexibelste Lösung, weil Waldwege, Gärten und Küstenplätze über mehrere Ortsteile verteilt sind. Fahrzeiten hängen stark vom Verkehr, Wetter und möglichen Straßensperrungen ab.
Nach Zyklonen, Starkregen, Erdrutschen oder vulkanischen Ereignissen kann die RN2 vorübergehend beeinträchtigt sein. Auf der Route des Laves sollte nur an dafür geeigneten Stellen angehalten werden. Navigationsangaben ersetzen dort keine Beschilderung: Ein vermeintlich kurzer Zugang kann über Privatgrund, gesperrtes Gelände oder instabile Lava führen.
Busse und Flughäfen
Regionale Busverbindungen bedienen Siedlungen entlang der RN2, doch nicht jede Naturattraktion lässt sich bequem per Bus erreichen. Besonders an Sonn- und Feiertagen können die Abstände zwischen den Verbindungen größer sein. Für eine Kombination aus Cap Méchant, Mare Longue und Pointe de la Table ist der öffentliche Verkehr daher weniger flexibel als ein Auto.
La Réunions wichtigster Flughafen ist Roland Garros bei Saint-Denis im Norden. Der kleinere Flughafen Pierrefonds liegt im Südwesten bei Saint-Pierre und wird vor allem regional genutzt. Saint-Philippe besitzt weder einen Bahnhof noch einen touristischen Fährhafen. Inselweite Bahnverbindungen gibt es auf La Réunion nicht.
Beste Reisezeit für Saint-Philippe
Saint-Philippe liegt auf der feuchten Luvseite La Réunions. Regen ist deshalb zu jeder Jahreszeit möglich, und Mare Longue verdankt gerade dieser Feuchtigkeit seinen üppigen Wald. Die vergleichsweise kühlere Zeit von etwa Mai bis Oktober eignet sich häufig gut für Wanderungen und Roadtrips. Auch dann können jedoch kräftige Schauer auftreten, besonders an den bewaldeten Vulkanhängen.
Der Südsommer von ungefähr November bis April ist wärmer, schwüler und stärker von Starkregen sowie tropischen Stürmen geprägt. Während einer Zyklonlage gelten behördliche Warnstufen, die Ausflüge und Straßenverkehr deutlich einschränken können. Für Küstenwanderungen sind nicht allein Regen und Temperatur entscheidend, sondern auch Brandung und Wind.
Ein sinnvoller Tagesrhythmus beginnt früh. Vormittags sind die Chancen auf klarere Sicht oft besser, während sich über den Hängen später Wolken bilden können. Nach nächtlichem Regen sollte auf Waldwegen mit Schlamm gerechnet werden. Für die offene Lavaküste gehören Sonnenschutz, Wasser und eine leichte Regenjacke gleichzeitig ins Gepäck.
Häufige Fragen zu Saint-Philippe
In welchem Land liegt Saint-Philippe?
Saint-Philippe gehört zum souveränen Staat Frankreich. Die Gemeinde liegt auf La Réunion, einem französischen Übersee-Département und einer Überseeregion im südwestlichen Indischen Ozean. Geografisch wird die Insel Afrika zugerechnet.
Ist Saint-Philippe ein guter Badeort?
Nein, die Gemeinde ist vor allem ein Natur- und Vulkanziel. Die Küste ist vielerorts felsig und starker Brandung ausgesetzt. Die Plage du Tremblet sollte als geologisches Landschaftsziel und nicht als verlässlich sicherer Badestrand verstanden werden.
Wie viel Zeit braucht man für Saint-Philippe?
Für Cap Méchant, Mare Longue und einen Abschnitt der Lavaküste ist ein ganzer Tag sinnvoll. Wer zusätzlich den Garten, die Pointe de la Table, einen Vanillebetrieb oder eine längere Wanderung besuchen möchte, sollte die Erkundung auf mehrere Tage verteilen.
Braucht man in Saint-Philippe einen Mietwagen?
Ein Mietwagen ist nicht zwingend, aber sehr praktisch. Die Sehenswürdigkeiten verteilen sich entlang der RN2 und in verschiedenen Ortsteilen. Mit Bussen sind einzelne Ziele erreichbar, eine flexible Kombination mehrerer Naturorte ist jedoch schwieriger.
Kann man von Saint-Philippe direkt auf den Piton de la Fournaise wandern?
Es gibt anspruchsvolle Wege an der Südostflanke des Vulkanmassivs, doch der übliche Besucherzugang zur Gipfelregion beginnt nicht im Zentrum von Saint-Philippe. Die Standardanfahrt führt über die Route du Volcan zum Pas de Bellecombe-Jacob.
Ist die Route des Laves vollständig Teil von Saint-Philippe?
Nein. Die Strecke verläuft durch beziehungsweise entlang der Gemeinden Saint-Philippe und Sainte-Rose. Der Grand-Brûlé-Korridor und mehrere bekannte Lavafelder reichen über die Gemeindegrenze hinaus.
Welche Schuhe sind für Saint-Philippe geeignet?
Für Lavaflächen und Waldwege sind geschlossene Schuhe mit griffiger Sohle empfehlenswert. Scharfes Vulkangestein, feuchte Wurzeln und Schlamm machen Sandalen auf vielen Wegen ungeeignet. Für längere Touren sind leichte Wanderschuhe die beste Wahl.
Was ist das wichtigste Souvenir aus Saint-Philippe?
Zu den charakteristischen Produkten zählen Vanille, Gewürze und Flechtarbeiten aus Vacoa. Bei Lebensmitteln lohnt es sich, auf nachvollziehbare lokale Herkunft und eine sachgerechte Verpackung für die Heimreise zu achten.