Matmata in Tunesien: Wohnhöhlen, Filmkulissen und Bergdörfer
23. Oktober 2026
Matmata wirkt auf den ersten Blick wie eine karge Ansammlung ockerfarbener Hügel. Erst von oben werden die kreisförmig in den Boden gegrabenen Innenhöfe sichtbar, von denen Wohnräume tief in das Erdreich führen. Diese troglodytischen Hofhäuser sind keine natürlichen Höhlen, sondern eine über Generationen entwickelte, an Hitze, Wind und knappe Ressourcen angepasste Architektur.
Bekannt wurde das Dorf außerdem durch das Hôtel Sidi Driss, dessen Innenhöfe als Kulisse für das Wohnhaus der Familie Lars in den Star-Wars-Filmen dienten. Doch Matmata ist mehr als ein Drehort: Das alte Dorf gehört zur Kulturlandschaft des Djebel Dahar und lässt sich gut mit Tamezret, Zraoua Ancienne, Toujane oder dem Museum der Mareth-Linie verbinden.
Matmata auf einen Blick
Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Matmata

Die troglodytischen Hofhäuser von Matmata Ancienne
Die charakteristischen Wohnhäuser Matmatas beginnen mit einem großen, von oben in den weichen Untergrund gegrabenen Hof. Seitlich führen Türen in Kammern, Vorratsräume und Wohnbereiche, die direkt aus den Erdschichten herausgearbeitet wurden. Fachlich treffender als der geläufige Begriff Wohnhöhle ist deshalb Grubenhofhaus: Der zentrale Hof ist offen, während die angrenzenden Räume im Erdreich liegen.
Die Bauweise sorgt im Vergleich zur Oberfläche für ausgeglichenere Temperaturen. Dicke Erdschichten schützen die Innenräume vor intensiver Sommerhitze und kalten Winternächten. Der offene Hof bringt Licht und Luft in die Anlage. Zugänge, Entwässerung und Wasserspeicherung unterscheiden sich jedoch von Haus zu Haus; nicht jedes Gebäude folgt demselben Schema und nicht jede touristische Erklärung lässt sich auf sämtliche Anlagen übertragen.
Ein Teil der Häuser wird weiterhin bewohnt, andere dienen als Unterkunft, Restaurant oder Schauanlage. Wieder andere sind verlassen. Besucher sollten daher nicht von einem frei zugänglichen Freilichtmuseum ausgehen. Ein Hausbesuch ist eine Begegnung im privaten Lebensraum: Eintritt, Führung, Fotografieren und ein möglicher Beitrag werden am besten vor dem Betreten eindeutig vereinbart.
Die Ortslandschaft von Matmata Ancienne
Matmata besitzt keinen dicht bebauten historischen Kern mit klarer Fußgängerroute. Die Siedlung verteilt sich vielmehr über eine trockene, wellige Landschaft aus niedrigen Häusern, Einschnitten, Höfen und felsigen Erhebungen. Manche Grubenhöfe sind von der Straße kaum zu erkennen; andere zeichnen sich als große Vertiefungen deutlich im Gelände ab. Gerade dieses Wechselspiel macht einen langsamen Spaziergang durch das alte Matmata interessanter als einen schnellen Fotostopp.
Von erhöhten, sicheren Standpunkten lässt sich die Struktur der Siedlung besonders gut erfassen. Dabei ist Vorsicht nötig: Die Ränder alter Höfe können ungesichert sein, und aufgegebene Räume sind nicht automatisch stabil. Dächer und brüchige Mauern sollten weder für Fotos betreten noch als Abkürzung genutzt werden. Für den Rundgang sind feste Schuhe sinnvoll, obwohl die Wege insgesamt nicht lang sein müssen.
Das alte Dorf wird häufig als Matmata Ancienne, Ancienne Matmata oder Matmata al-Qadima bezeichnet. Es ist nicht mit Nouvelle Matmata zu verwechseln, einer nördlich gelegenen, planmäßig entwickelten Stadt. Auch Einwohnerzahlen, Verwaltungsflächen und Unterkunftsadressen beider Orte dürfen nicht miteinander vermischt werden.
Hôtel Sidi Driss: Matmatas Star-Wars-Drehort
Das Hôtel Sidi Driss ist der bekannteste konkret identifizierbare Filmort in Matmata. Mehrere unterirdisch wirkende Höfe und Räume der Anlage wurden für Innenaufnahmen des Hauses der Familie Lars auf dem Planeten Tatooine genutzt. Zu sehen sind Kulissenelemente, Wandverkleidungen und technische Dekorationen, die sofort an die Filmszenen erinnern. Matmatas reale Architektur bildet dabei nicht nur den Hintergrund, sondern prägt die gesamte räumliche Wirkung.
Die Innenräume kamen in „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ und erneut im Umfeld der späteren Dreharbeiten zu „Episode II – Angriff der Klonkrieger“ zum Einsatz. Die heute sichtbare Ausstattung ist allerdings nicht durchgehend unverändert aus der ersten Produktion erhalten. Teile wurden nach Dreharbeiten belassen, erneuert, ergänzt oder rekonstruiert. Der Ort ist deshalb zugleich historischer Drehplatz und gepflegte Filmkulisse.
Nicht alle Tatooine-Szenen entstanden in Matmata. Außenansichten des Lars-Anwesens und zahlreiche weitere Wüstenkulissen wurden an anderen Orten Tunesiens aufgenommen, unter anderem im Westen des Landes. Das Hôtel Sidi Driss sollte daher präzise als Drehort bestimmter Innenräume beschrieben werden, nicht als Schauplatz sämtlicher Tatooine-Aufnahmen.
Da die Anlage als Unterkunft und Gastronomiebetrieb genutzt wird, können Zugang und Nutzung einzelner Bereiche variieren. Wer gezielt übernachten oder die Kulissenräume ohne Zeitdruck fotografieren möchte, sollte die Bedingungen direkt mit dem Betrieb abstimmen. Auch hier gilt: Gästezimmer und nicht öffentlich ausgewiesene Räume sind keine frei zugänglichen Sehenswürdigkeiten.
Die Landschaft des Matmata-Berglands
Rund um das Dorf öffnet sich eine stark erodierte Landschaft aus Hochflächen, trockenen Tälern, Felshängen und tief eingeschnittenen Wasserläufen. Das Matmata-Bergland gehört zum nördlichen Teil des Djebel Dahar, eines lang gestreckten Gebirgs- und Plateauraums im Süden Tunesiens. Es handelt sich nicht um einen Nationalpark mit kontrollierten Eingängen oder einem einheitlichen Wegenetz.
Besonders reizvoll sind die gedämpften Farben am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Dann treten Schichtungen, Terrassen und Siedlungsspuren deutlicher hervor als im harten Mittagslicht. Geführte kurze Wanderungen können erklären, wie Topografie, Landwirtschaft, Wassermanagement und Siedlungsformen zusammenhängen. Ohne Ortskenntnis sollte man keine scheinbar einfachen Pisten oder trockenen Talrinnen als markierte Wanderwege interpretieren.
Kultur und Geschichte von Matmata

Amazigh-Kultur zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Matmata wird häufig pauschal als „Berberdorf“ bezeichnet. Präziser ist die Einordnung in die Amazigh-Kulturlandschaft des Djebel Dahar. Architektur, Ortsnamen, textile Traditionen und regionale Sprachformen verweisen auf diese Geschichte. Gleichzeitig ist Matmata kein unverändertes ethnografisches Schaustück: Viele Familien leben heute in moderneren Häusern, arbeiten außerhalb des Dorfes oder verbinden unterschiedliche Wohn- und Wirtschaftsformen.
Arabisch prägt den Alltag, während regionale Varianten des Tamazight besonders in Orten wie Tamezret, Taoujout und Zrawa dokumentiert sind. Wie stark die Sprache tatsächlich verwendet wird, unterscheidet sich zwischen Familien und Generationen. Reisende sollten deshalb weder traditionelle Kleidung noch Sprachkenntnisse als selbstverständlich erwarten. Interessanter als inszenierte Folklore sind Gespräche über heutiges Wohnen, Abwanderung und kulturelle Kontinuität.
Starkregen, Umsiedlung und Nouvelle Matmata
Die Entstehung von Nouvelle Matmata steht eng mit der Modernisierung des ländlichen Raums und den Folgen schwerer Regenfälle in den späten 1960er-Jahren in Verbindung. Wasser drang in Grubenhäuser ein und beschädigte Anlagen; zugleich förderten staatliche Programme den Umzug in oberirdische Neubauten. Dadurch beschleunigte sich die Verlagerung eines Teils der Bevölkerung aus dem alten Dorf.
Die Geschichte sollte jedoch nicht als einfacher Wechsel von „alter“ zu „neuer“ Lebensweise erzählt werden. Manche Familien behielten Verbindungen zu ihren traditionellen Häusern, andere passten Anlagen an oder nutzten sie touristisch. Heute existieren Matmata Ancienne und Nouvelle Matmata als getrennte Orte mit unterschiedlichen Siedlungsformen und Bevölkerungsangaben.
Die Matmata-Höhen und die Mareth-Linie
Im Zweiten Weltkrieg bildeten die Matmata-Höhen den westlichen landschaftlichen Anker der Mareth-Linie. Dieses französische Verteidigungssystem erstreckte sich durch den Süden des Gouvernements Gabès in Richtung Küste und wurde während des Tunesienfeldzugs 1943 zum Schauplatz schwerer Kämpfe. Die militärischen Anlagen liegen nicht mitten im Dorf Matmata.
Eine anschauliche Ergänzung bietet das Musée militaire de la ligne Mareth bei Mareth. Seine Sammlung und das Außengelände erläutern Befestigungen, Waffen, Karten und den Verlauf der Kämpfe. Der Besuch ist vor allem für Reisende interessant, die die strategische Bedeutung des Geländes zwischen Küstenebene und Matmata-Höhen nachvollziehen möchten.
Wandern und Naturerlebnisse im Djebel Dahar

Geführte Wanderungen statt erfundener Themenwege
Rund um Matmata gibt es zahlreiche Pfade, alte Verbindungen zwischen Siedlungen und landwirtschaftlich genutzte Pisten, aber kein flächendeckendes System zuverlässig markierter Wanderwege. Sinnvoll sind deshalb lokal geführte Touren im Matmata-Bergland. Die Führer können zwischen öffentlichen Wegen, privaten Flächen und unsicheren Ruinen unterscheiden und die Route an Temperatur und Kondition anpassen.
Kurze Touren konzentrieren sich auf das unmittelbare Umfeld des Dorfes, trockene Täler und Aussichtslagen. Längere Unternehmungen können Abschnitte in Richtung Tamezret oder anderer Bergsiedlungen einbeziehen, sollten aber nicht spontan anhand einer Karten-App begonnen werden. In wenig besiedelten Bereichen fehlen Schatten, Wasserstellen und eindeutige Wegweiser.
- Feste Schuhe: Der Boden ist steinig, locker und stellenweise steil.
- Ausreichend Wasser: Auch kurze Strecken fühlen sich bei Sonne deutlich anstrengender an.
- Früher Start: Morgens sind Licht und Temperaturen meist angenehmer.
- Keine verlassenen Räume betreten: Erosion und Einsturzgefahr sind von außen schwer einzuschätzen.
- Nach Regen umplanen: Trockene Rinnen können Wasser führen, Nebenstraßen beschädigt sein.
Fotografieren in der Wüsten- und Berglandschaft
Die stärksten Motive sind nicht nur die Filmkulissen. Ein abgesenkter Hof mit klar erkennbarer Raumstruktur, ein Eingangstunnel und der Übergang vom Dorf in die Berglandschaft erzählen mehr über Matmata. In Tamezret kommt die kompakte Hangbebauung hinzu, in Zraoua die historische Dorfstruktur und bei Toujane das Panorama über eingeschnittene Täler.
Bewohnte Höfe dürfen nur mit Zustimmung fotografiert werden. Das gilt auch für Porträts, Kinder und Personen in traditioneller Kleidung. Eine Zahlung ersetzt keine Einwilligung. Für Drohnen gelten in Tunesien strenge Genehmigungs- und Einfuhrbestimmungen; ein scheinbar abgelegenes Gelände bedeutet nicht, dass Aufnahmen ohne behördliche Erlaubnis zulässig sind.
Ausflüge rund um Matmata

Tamezret: Bergdorf und Amazigh-Kultur
Tamezret liegt nordwestlich von Matmata und ist der naheliegendste kulturelle Ergänzungsstopp. Das Dorf zieht sich über einen Bergrücken und unterscheidet sich deutlich von den verstreuten Grubenhöfen Matmatas. Enge Wege, steinerne Häuser und weite Blicke über die trockene Umgebung bestimmen das Bild. Ein Rundgang sollte Rücksicht auf die privaten Wohnbereiche des Bergdorfs nehmen.
Das Musée Berbère de Tamezret widmet sich lokalen Traditionen, Sprache, Haushaltsgegenständen und Kleidung. Es handelt sich um ein kleines, persönlich geprägtes Museum und nicht um eine große staatliche Ausstellung. Gerade dadurch kann der Besuch vertiefende Einblicke bieten. Die Verbindung von Dorfspaziergang und Museum ist besonders für Reisende geeignet, die Matmatas Architektur in einen größeren kulturellen Zusammenhang stellen möchten.
Zraoua Ancienne: historische Siedlung am Berg
Zraoua Ancienne, auch Zrawa Ancienne geschrieben, ist eine ältere Bergsiedlung im weiteren Matmata-Raum. Ihre verlassenen oder nur noch teilweise genutzten Strukturen dokumentieren den Wandel ländlicher Lebensformen im Djebel Dahar. Steinbauten, schmale Durchgänge und die Lage am Hang vermitteln ein anderes Siedlungsbild als die eingegrabenen Häuser Matmatas.
Der Ort ist kein vollständig gesichertes Freilichtmuseum. Mauern und Decken können instabil sein, und Zugänge führen teilweise durch empfindliche oder private Bereiche. Eine Besichtigung mit lokaler Begleitung ist deshalb sinnvoller als eigenständiges Erkunden. Besonders lohnend ist Zraoua für Architektur- und Landschaftsfotografen, die bewusst mit Abstand und ohne Klettern arbeiten.
Toujane: Panoramen und Dorfarchitektur
Toujane liegt südöstlich des Matmata-Raums an einer eindrucksvollen Bergstraße. Das Dorf schmiegt sich an felsige Hänge und bietet weite Ausblicke über Täler und Hochflächen. Die Fahrt eignet sich gut als Teil einer längeren Route in Richtung Médenine oder in den südlichen Djebel Dahar.
Toujane ist außerdem für textile Traditionen und gewebte Arbeiten bekannt. Das konkrete Angebot kann klein und unregelmäßig sein; sinnvoll ist der direkte Kauf bei nachvollziehbar lokal arbeitenden Handwerkerinnen oder Familien. Bei Aussichtstopps sollte das Fahrzeug vollständig abseits der Fahrbahn stehen, denn schmale Kurven und wechselnder Verkehr machen spontane Fotohalte riskant.
Mareth und das Militärmuseum
Der Ausflug nach Mareth verbindet Landschaft mit Zeitgeschichte. Das dortige Militärmuseum erläutert die Verteidigungslinie, die Kämpfe des Jahres 1943 und die Bedeutung der Matmata-Höhen. Karten und Geländeobjekte helfen auch Besuchern ohne militärhistorische Vorkenntnisse, die Ereignisse geografisch einzuordnen.
Mareth lässt sich gut mit einer Weiterfahrt nach Gabès kombinieren. Für Kinder ist das Museum eher dann geeignet, wenn sie sich bereits für Geschichte, Fahrzeuge oder Karten interessieren. Manche Ausstellungsstücke und Darstellungen beziehen sich unmittelbar auf Krieg und Waffen.
Ksar Hallouf als Etappe einer Dahar-Rundfahrt
Ksar Hallouf liegt weiter südlich im Raum Béni Khedache und ist kein kurzer Spazierausflug von Matmata. Der historische Speicherkomplex mit seinen übereinander angeordneten Ghorfas gehört zu den charakteristischen Ksour des südlichen Djebel Dahar. Er eignet sich als Station einer ganztägigen Rundfahrt durch das Bergland.
Wer Ksar Hallouf einplant, sollte ihn nicht mit Chenini bei Tataouine oder Ksar Ouled Soltane gleichsetzen. Diese Ziele liegen noch weiter südlich und gehören in eine mehrtägige Route. Auch Ksar Ghilane, Tozeur, Nefta und der Chott el Jerid sind eigenständige Reiseziele und keine Sehenswürdigkeiten Matmatas.
Matmata mit Kindern

Welche Erlebnisse sich für Familien eignen
Für Familien liegt der Reiz vor allem in der ungewöhnlichen Architektur. Ein kurzer Besuch in einem zugänglichen Grubenhof macht anschaulich, wie Licht, Luft und Temperatur in einem unterirdisch angelegten Haus funktionieren. Filmfans können anschließend die Kulissen im Hôtel Sidi Driss ansehen. Das Programm bleibt überschaubar und eignet sich besser für neugierige Schulkinder als für einen ganzen Tag klassischer Kinderunterhaltung.
Matmata besitzt keine großen Freizeitparks, Tierparks oder interaktiven Kindermuseen. Eltern sollten außerdem auf ungesicherte Hofränder, niedrige Durchgänge, Stufen und unebene Wege achten. Ein Kinderwagen ist in vielen traditionellen Anlagen unpraktisch. Für kleine Kinder ist eine kurze Kombination aus Hofhaus, Filmkulisse und Aussicht meist sinnvoller als eine lange Wanderung.
- Besuch eines ausdrücklich zugänglichen Hofhauses
- Kurzer Architekturspaziergang durch Matmata Ancienne
- Filmkulissen im Hôtel Sidi Driss
- Ausflug nach Tamezret mit kompaktem Dorfrundgang
- Picknick nur an einem sicheren, schattigen und sauberen Platz
Matmata bei Regen
Für Regentage gibt es nur wenige Alternativen. Geschützte Bereiche des Hôtel Sidi Driss sowie die Museen in Tamezret und Mareth kommen infrage, sofern sie in die geplante Route passen. Starker Regen ist in Matmata nicht bloß unangenehm: Wasser kann sich in eingeschnittenem Gelände sammeln, Zugänge zu Grubenhöfen beeinträchtigen und Nebenstraßen beschädigen. Bei intensivem Niederschlag sollte ein Dorfrundgang verschoben werden.
Essen und Kunsthandwerk

Regionale Küche ohne touristische Etiketten
In Matmata werden häufig Brot, Couscous, Gerichte mit Gerste oder Hülsenfrüchten, Olivenöl und haltbaren Zutaten angeboten. Was tatsächlich auf den Tisch kommt, hängt vom Haushalt oder Restaurant ab. Nicht jedes tunesische Gericht ist automatisch eine „Spezialität Matmatas“. Interessant sind vor allem Speisen, deren Zutaten und Zubereitung vor Ort erklärt werden können, etwa im Erd- oder Lehmofen gebackenes Brot.
Touristische Menüs bestehen oft aus Salat, Suppe, Couscous oder einem Schmorgericht und Obst. Familienessen können deutlich anders aussehen. Wer in einem Privathaus bewirtet wird, sollte vorher klären, ob es sich um eine Einladung, ein gebuchtes Essen oder ein kostenpflichtiges Besuchsangebot handelt. Vegetarische Wünsche lassen sich häufig umsetzen, sollten aber möglichst früh und eindeutig formuliert werden.
Restaurants und Unterkünfte mit Gastronomie
Das Hôtel Sidi Driss verbindet Filmkulisse, Unterkunft und Gastronomie. Das Hôtel Marhala ist ebenfalls für seine troglodytischen Bereiche bekannt. Diar El Barbar wird als größerer Beherbergungs- und Gastronomiebetrieb im Raum Matmata geführt. Bei allen drei Häusern können Betriebsumfang, Restaurantzeiten und Zimmerkategorien wechseln; eine direkte Anfrage ist besonders außerhalb der Hauptreisezeiten sinnvoll.
Eine breite Restaurantszene mit unabhängig betriebenen Cafés und Bistros darf man im alten Matmata nicht erwarten. Gabès und größere Orte bieten mehr Auswahl. Für einen längeren Aufenthalt ist es daher hilfreich, Mahlzeiten mit der Unterkunft abzustimmen und etwas Trinkwasser sowie kleine Snacks dabeizuhaben.
Textilien, Keramik und Souvenirs
An einzelnen Häusern und Haltepunkten werden Textilien, Keramik, Schmuck und kleine Andenken verkauft. Eine klar abgegrenzte Einkaufsstraße oder ein großes Einkaufszentrum gibt es in Matmata Ancienne nicht. Bei Teppichen und Webarbeiten lohnt es sich zu fragen, ob das Stück vor Ort hergestellt oder aus einer anderen Region zugekauft wurde.
Preisverhandlungen gehören in kleinen Verkaufsstellen teilweise dazu, sollten aber respektvoll bleiben. Wer echtes Handwerk unterstützen möchte, achtet auf Material, Herstellungsdauer und Herkunft statt ausschließlich auf den niedrigsten Preis. Fotografieren in Verkaufs- und Arbeitsräumen setzt auch dann eine Erlaubnis voraus, wenn zuvor etwas gekauft wurde.
Übernachten in Matmata
Troglodytische Unterkunft oder komfortableres Hotel?
Eine Übernachtung in einem in den Boden eingelassenen Haus ist atmosphärisch, aber nicht automatisch luxuriös. Zimmer können schlicht sein, über Gemeinschaftsbäder verfügen und je nach Jahreszeit kühl wirken. Vor der Buchung sollte geklärt werden, ob sich das reservierte Zimmer tatsächlich in einem troglodytischen Gebäudeteil befindet und welche sanitäre Ausstattung vorhanden ist.
Das Hôtel Sidi Driss spricht vor allem Filmfans und Reisende an, die bewusst eine einfache, ungewöhnliche Unterkunft suchen. Das Hôtel Marhala ist eine weitere bekannte Adresse mit traditionell geprägten Räumen. Diar El Barbar richtet sich eher an Gäste, die eine größere Hotelanlage erwarten. Aktuelle Informationen zu Heizung, Klimatisierung, eigenem Bad, Restaurant, Kartenzahlung und Parken sollten direkt beim jeweiligen Betrieb eingeholt werden.
Menschen mit eingeschränkter Mobilität benötigen besonders genaue Angaben. Abgesenkte Höfe, Stufen, schmale Durchgänge und unebene Böden machen viele traditionelle Anlagen nur eingeschränkt zugänglich. Eine allgemeine Zusage zur Barrierefreiheit ist für Matmata nicht möglich.
Anreise und Mobilität
Von Gabès nach Matmata
Gabès ist der wichtigste Verkehrsknoten für die Anreise. Matmata Ancienne liegt auf der Straße ungefähr 45 Kilometer südwestlich der Stadt; die übliche Zufahrt führt durch beziehungsweise nahe Nouvelle Matmata. Mit Mietwagen oder vorab vereinbartem Taxi lässt sich das alte Dorf unkompliziert in eine Tagestour einbauen.
Sammeltaxis, die in Tunesien als Louages bekannt sind, bedienen regionale Verbindungen, fahren aber nicht nach einem für Reisende verlässlich planbaren Takt. Je nach Verbindung kann ein Umstieg oder eine Weiterfahrt ab Nouvelle Matmata nötig sein. Für Besuche in Tamezret, Zraoua und Toujane ist ein eigenes Fahrzeug oder ein Fahrer deutlich praktischer.
Von Djerba, Médenine und dem südlichen Dahar
Von Djerba führt die Anreise über das Festland und den Raum Médenine beziehungsweise Mareth. Matmata lässt sich dadurch gut als Etappe zwischen der Insel und dem Djebel Dahar einplanen. Wer aus Tataouine kommt, kann Toujane oder weitere Bergdörfer in die Route aufnehmen, sollte für die kurvigen Straßen aber genügend Tageslicht einplanen.
Gabès–Matmata International Airport liegt im Raum Gabès und nicht im alten Dorf. Der Flughafenname sagt zudem nichts darüber aus, ob im gewünschten Reisezeitraum passende Linien- oder Charterflüge angeboten werden. Für internationale Reisen sind häufig Djerba-Zarzis oder andere größere tunesische Flughäfen praktischer.
Unterwegs vor Ort
Im alten Matmata lassen sich einzelne Häuser und das Hôtel Sidi Driss zu Fuß verbinden, doch die Siedlung ist verstreut. Für weiter auseinanderliegende Aussichtslagen und Dörfer wird ein Fahrzeug benötigt. Nachtfahrten auf kleinen Bergstraßen sind wegen Kurven, schwacher Beleuchtung und möglicher Tiere auf der Fahrbahn weniger angenehm.
Unmarkierte Pisten sollten nicht ohne Ortskenntnis befahren werden. Das gilt auch für Geländewagen: Ein robustes Fahrzeug ersetzt weder Navigation noch lokale Informationen. Nach Starkregen können Straßenränder, Furten und Nebenstrecken beschädigt sein.
Beste Reisezeit für Matmata
Frühling und Herbst
Die angenehmsten Bedingungen bieten meist Frühling und Herbst. Dann lassen sich Dorfspaziergänge und kurze Wanderungen besser mit Ausflügen verbinden als in der großen Sommerhitze. Morgens und am späten Nachmittag ist das Licht für Landschaftsaufnahmen besonders weich. Rund um religiöse Feiertage und während des Ramadan können sich Restaurant- und Besuchszeiten verändern.
Sommer und Winter
Im Sommer sollte das Programm auf die frühen Morgenstunden und den späteren Nachmittag konzentriert werden. Schatten ist außerhalb der Gebäude begrenzt, und ein bewölkter Himmel schützt nicht zuverlässig vor hoher UV-Belastung. Wasser, Kopfbedeckung und Pausen gehören zur Grundausstattung.
Der Winter kann tagsüber sonnig, nachts jedoch überraschend kühl sein. In traditionellen Zimmern fühlen sich die Temperaturen trotz der isolierenden Erdschichten frisch an. Warme Kleidung und eine genaue Nachfrage zur Heizmöglichkeit sind für Übernachtungsgäste sinnvoll. Regenperioden sind selten, können aber erhebliche lokale Auswirkungen haben.
Verantwortungsvoll Matmata besuchen

Private Häuser respektieren
Die Wohnhöhlen sind keine anonyme Kulisse. Vor dem Betreten eines Hofes braucht es eine eindeutige Einladung oder eine vereinbarte Führung. Fotos von Bewohnern, Kindern und Innenräumen erfordern eine separate Zustimmung. Ein freundliches Gespräch über Preis und Umfang des Besuchs verhindert Missverständnisse.
Ebenso wichtig ist die Wortwahl: Die Häuser sind das Ergebnis handwerklicher Planung und keine primitiven Zufluchtsorte. Ein guter Besuch stellt die architektonische Leistung und heutige Lebensrealität in den Mittelpunkt, statt Matmata als exotische Filmwelt darzustellen.
Ruinen und Landschaft schützen
Verlassene Anlagen wirken robust, sind aber durch Erosion, Regen und fehlende Instandhaltung gefährdet. Besucher sollten keine Wände erklimmen, Steine entfernen oder in verschlossene Räume eindringen. Müll wird wieder mitgenommen; empfindliche Hänge und Anbauflächen sind keine Parkplätze.
Lokale Führungen, direkt bezahlte Hausbesuche und nachvollziehbar regional hergestelltes Handwerk sorgen dafür, dass ein größerer Teil der Reiseausgaben im Ort bleibt. Das ist besonders wertvoll in einer Region, in der Abwanderung und begrenzte Erwerbsmöglichkeiten den Erhalt historischer Gebäude erschweren.
Häufige Fragen zu Matmata
Liegt Matmata in Tunesien oder Marokko?
Das hier beschriebene Reiseziel liegt im Gouvernement Gabès im Süden Tunesiens. In der marokkanischen Provinz Taza gibt es ebenfalls einen Ort namens Matmata, der mit den tunesischen Wohnhöhlen und dem Star-Wars-Drehort nichts zu tun hat.
Sind Matmata Ancienne und Nouvelle Matmata derselbe Ort?
Nein. Matmata Ancienne ist das alte Dorf mit den bekannten Grubenhofhäusern. Nouvelle Matmata ist eine eigenständige, planmäßig entwickelte Stadt nördlich davon. Bevölkerungszahlen und Adressen beider Orte dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Kann man die Wohnhöhlen frei besichtigen?
Nicht generell. Viele Anlagen sind private Wohnhäuser, andere werden touristisch genutzt oder sind verlassen. Ein Besuch sollte nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Bewohner oder im Rahmen einer vereinbarten Führung erfolgen. Fotografieren ist separat abzusprechen.
Wie viel Zeit braucht man für Matmata?
Für einen Rundgang, ein zugängliches Hofhaus und das Hôtel Sidi Driss genügt ein halber Tag. Ein ganzer Tag erlaubt zusätzlich einen Ausflug nach Tamezret oder Zraoua. Für Toujane, Mareth und weitere Ziele des Djebel Dahar ist eine längere Rundreise sinnvoll.
Ist Matmata für Kinder geeignet?
Ja, wenn das Programm kurz bleibt und Kinder an Architektur oder Star Wars interessiert sind. Ungesicherte Kanten, Stufen, Hitze und unebene Böden verlangen jedoch Aufmerksamkeit. Freizeitparks oder speziell organisierte Kinderattraktionen gibt es im alten Matmata nicht.
Kann man in Matmata ohne Mietwagen reisen?
Die Anreise aus Gabès ist grundsätzlich mit regionalen Sammeltaxis und anschließendem Taxi möglich. Für mehrere Bergdörfer, die Mareth-Linie oder eine flexible Dahar-Rundfahrt ist ein Mietwagen beziehungsweise ein Fahrzeug mit Fahrer wesentlich praktischer.
Ist das Hôtel Sidi Driss der einzige Star-Wars-Drehort in Tunesien?
Nein. Das Hôtel Sidi Driss steht für bestimmte Innenaufnahmen des Lars-Hauses. Weitere Drehorte befinden sich unter anderem im Westen und Süden Tunesiens. Außenkulissen, Schluchten und Wüstenszenen wurden nicht sämtlich in Matmata aufgenommen.
Ist Matmata barrierefrei?
Nur sehr eingeschränkt. Steile oder unebene Zugänge, Stufen, schmale Tunnel und abgesenkte Innenhöfe erschweren den Besuch mit Rollstuhl oder Rollator. Die tatsächliche Zugänglichkeit muss für jedes Haus, Hotel und Museum einzeln geklärt werden.